Bayreuther Festspiele

Die Meistersinger von Nürnberg
Die Meistersinger von Nürnberg
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Die Meistersinger von Nürnberg

Besetzung 2009

Musikalische Leitung Sebastian Weigle
Regie Katharina Wagner
Bühnenbild Tilo Steffens
Kostüme Michaela Barth
Tilo Steffens
Chorleitung Eberhard Friedrich
Licht Andreas Grüter
 
Hans Sachs, Schuster Alan Titus
Robert Holl
(6.8)
Veit Pogner, Goldschmied Artur Korn
Kunz Vogelgesang, Kürschner Charles Reid
Konrad Nachtigal, Spengler Rainer Zaun
Sixtus Beckmesser, Stadtschreiber Adrian Eröd
Fritz Kothner, Bäcker Markus Eiche
Balthasar Zorn, Zinngießer Edward Randall
Ulrich Eisslinger, Würzkrämer Timothy Oliver
Augustin Moser, Schneider Florian Hoffmann
Hermann Ortel, Seifensieder Martin Snell
Hans Schwarz, Strumpfwirker Mario Klein
Hans Foltz, Kupferschmied Diógenes Randes
Walther von Stolzing Klaus Florian Vogt
David, Sachsens Lehrbube Norbert Ernst
Eva, Pogners Tochter Michaela Kaune
Magdalene, Evas Amme Carola Guber
Ein Nachtwächter Friedemann Röhlig

Zur Inszenierung

Von Robert Sollich

Hier gilt’s der Kunst – Aber welcher?

Zur Neuinszenierung der "Meistersinger von Nürnberg", 2007

Die Meistersinger von Nürnberg gelten nicht von ungefähr als Künstlerdrama par excellence. Kaum ein Werk des Opernrepertoires ist thematisch so dicht bei sich selbst. Über drei Akte und rund viereinhalb Stunden wird hier immerhin über das Singen gesungen und die Funktion der Kunst in der Gesellschaft gestritten. Wobei es durchaus vertraute Konflikte sind, die einem da begegnen: Es geht um das Erbe der Tradition und die Frage, wie mit diesem umzugehen sei; ob das Heil der Kunst also im Vertrauen gegenüber erprobten Konventionen und der steten Reaktualisierung klassischer ästhetischer Werte liege. Oder aber lebendige Kunst, im Gegenteil, erst im Bruch mit der Tradition bzw. aus deren kritischer Anverwandlung heraus entstehe und ihre Kraft aus der Differenz gegenüber mitgebrachten Erwartungshaltungen beziehe. Es geht um etwaige Eigenarten nationaler Theaterkulturen, um das Problem, wie man mit fremden Texten verfahren kann, darf und soll, sowie schließlich um die Frage, woran sich die Kunst letztlich überhaupt zu orientieren habe: An verbindlichen poetischen Regeln? Einem Expertendiskurs der Kunstkritik? Oder doch dem Interesse des breiten Publikums? Wenn diese Kontroversen auf der Festwiese kulminieren, dann befinden wir uns mitten im heißumkämpften Feld des Musiktheaters.

Die den Meistersingern eigene Selbstreflexivität als Künstlerdrama erweist sich insofern als von besonderer antizipatorischer Qualität. Mit seiner ganz persönlichen querelle des anciens et des modernes nahm Wagner nicht nur einiges der Kulturkämpfe um die Kunst der Avantgarde vorweg, sondern so gesehen ein Stückweit auch seine eigene Wirkungsgeschichte. Die Meistersinger von Nürnberg lassen sich paradoxerweise gleichsam als ein Stück über Die Meistersinger von Nürnberg lesen, wobei freilich offen bleibt, für welcherlei Kunstverständnis sie unter dem Strich selbst stehen. Wagner verhält sich mit seinem Stück ähnlich widersprüchlich und wechselhaft wie die Protagonisten in seinem Stück, angefangen bei Walther von Stolzing, dem zunächst so genialischen Revolutionär, den die von ihm so arg bekämpften (sozial-)ästhetischen Normen und Konventionen auf der Festwiese wieder einholen. Ähnlich ambivalent agiert auch Hans Sachs, dessen erklärter Modernismus, nachdem der Streit um die Kunst in einem offenen Gewaltausbruch mündete, in einen durchaus aggressiven Konservativismus umschlägt. Ausgerechnet Sixtus Beckmesser, der verstockte Traditionalist, avanciert im Stückverlauf hingegen zum (wenngleich „unfreiwilligen“) Vertreter einer Zukunftsmusik, in dessen musikalischen Idiomen das 20. Jahrhundert Prinzipien des Dadaismus und der freien Atonalität vorweggenommen sah.

Unverkennbar rekapituliert Wagner in seinen unterschiedlichen Figuren auch die eigene Biographie und seine sich in deren Verlauf wandelnden politischen und ästhetischen Positionen. In den Meistersingern überlagern diese sich wie in einem Palimpsest – und zwingen die Interpreten insofern in besonderem Maße zu eigenen ästhetischen Positionen.



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