Bayreuther Festspiele

Portraitfoto Dietrich Fischer-Dieskau (1956)
Portraitfoto Dietrich Fischer-Dieskau (1956)
Portraitfoto Dietrich Fischer-Dieskau (1956) <b>Dietrich Fischer-Dieskau als Amfortas.</b> Parsifal (Inszenierung von Wieland Wagner 1951 - 1973) <b>Dietrich Fischer-Dieskau als Wolfram von Eschenbach.</b>  Tannhäuser (Inszenierung von Wieland Wagner 1954 -1955)

Dietrich Fischer-Dieskau

* 28.05.1925 in Berlin
† 18.05.2012 in Berg

Den Namensteil Dieskau hatte sein Vater dem Familiennamen hinzugefügt nach dem Gutshof Dieskau bei Leipzig, der seinen Vorfahren gehört hatte, für die u.a. J.S. Bach seine »Bauernkantate« schrieb. Dietrich Fischer-Dieskau begann mit 16 Jahren seine Ausbildung bei Georg A. Walter in Berlin. 1943 wurde er Soldat und geriet 1945 in Italien in englische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung weitere Studien bei Hermann Weißenborn in Berlin. Erstes Auftreten als Solist 1947 im »Deutschen Requiem« von Brahms in Freiburg i. Br. 1948 Bühnendebüt an der Städtischen Oper Berlin (später Deutsche Oper Berlin), deren Mitglied er seitdem blieb, als Posa in Verdis »Don Carlos«. Er sang daneben immer wieder an den Staatsopern von München und Wien, deren Mitglied er seit 1957 war. 1950 gastierte er an der Mailänder Scala, 1951 sang er erstmals in London unter Sir Thomas Beecham in »A Mass of Life« von Delius, 1952 unter Wilhelm Furtwängler bei den Festspielen von Salzburg und an der Wiener Staatsoper. In Wien sang er am 17.6.1956 in der Uraufführung der Oper »Der Sturm« von Frank Martin, bei den Schwetzinger Festspielen am 20.5.1961 den Gregor Mittenhofer in der Uraufführung von Hans Werner Henzes »Elegie für junge Liebende«. Besonders große Erfolge erzielte er bei den Festspielen von Salzburg, Glyndebourne, Edinburgh, Luzern und seit 1954 bei den Bayreuther Festspielen. Hier sang er den Wolfram im »Tannhäuser« (1954-55, 1961), den Heerrufer im »Lohengrin« (1954), den Amfortas im »Parsifal« (1955-56) und den Kothner in den »Meistersingern« (1956). Bei den Festspielen von Salzburg trat er seit 1951 in zahlreichen Konzerten und vor allem in Liederabenden auf; man hörte ihn dort 1956-58 und 1960-64 als Grafen in »Figaros Hochzeit«, 1972-73 als Alfonso in »Così fan tutte« und 1965 als Macbeth in der gleichnamigen Verdi-Oper. 1985 wirkte er bei den gleichen Festspielen in konzertanten Aufführungen der Oper »Saint François d'Assise« von O. Messiaen, 1986 in dem Oratorium »Golgotha« von Frank Martin mit. Gastspiele und Konzerte trugen ihm in den Zentren des europäischen wie des amerikanischen Musiklebens größte Erfolge ein. 1955 gastierte er ersstmals in Nordamerika, und zwar in Cincinnati. 1965 sehr erfolgreiches Auftreten an der Covent Garden Oper London als Mandryka in »Arabella«, 1967 als Falstaff von Verdi. Am 30.5.1962 sang er in der Kathedrale von Coventry in der Uraufführung des »War Requiem« von Benjamin Britten, 1966 in London in der von »The Vision of St. Augustine« von Michael Tippett. Er trat in weiteren Uraufführungen zeitgenössischer Vokalwerke auf, so kreierte er 1956 die »Neapolitanischen Lieder« von H.W. Henze, 1964 »Gesangsszene« von K.A. Hartmann und »Abraham und Isaak« von Strawinsky, 1975 »An die Nachgeborenen« von G. von Einem, 1978 »Les Espaces du Soleil« von Lutoslawski, 1986 »Totentanz« und »Drei Gedichte von Michelangelo« von A. Reimann, 1987 ein Solo in der 5. Sinfonie von Isang Yun. 1974 sang er in der New Yorker Carnegie Hall in der konzertanten amerikanischen Premiere von Busonis »Doktor Faust«. Am 9.7.1978 nahm er an der Staatsoper von München an der Uraufführung der Oper »Lear« von Aribert Reimann in der Titelrolle teil; der Komponsit hatte die Partitur dem großen Sänger gewidmet. Weltberühmt wurde er als Lied-Interpret. Er galt allgemein als der bedeutendste Liedersänger seiner Zeit, wobei man neben der Feinheit der Textausdeutung die hohe Musikalität seines Vortrages und die tiefe Durchgeistigung seiner Auffassung bewunderte. Seit 1973 trat er auch als Dirigent in Erscheinung; er wurde dazu als Musikschriftsteller durch die Publikation musikwissenschaftlicher, musikhistorischer und pädagogischer Schriften bekannt. 1981 erhielt er eine Professur an der Akademie der Künste in Berlin, seit 1983 Professor an der Berliner Musikhochschule; die Pariser Sorbonne ernannte ihn 1980 zum Ehrendoktor. 1987 erschien sein autobiographisches Buch »Nachklang«. Nach dem Tod seiner ersten Gattin, der Cellistin Irmgard Poppen (? 1963), heiratete er 1965 die Filmschauspielerin Ruth Leuwerik, von der er sich 1967 wieder trennte, dann 1968 Kristina Pugell. Seit 1977 mit der bekannten Sopranistin Julia Varady (* 1941) verheiratet. - Seine ausdrucksvolle Baritonstimme wurde auf der Bühne wie im Konzertsaal in einem umfassenden Repertoire bewundert. Allgemein galt er als eine der größten Sängerpersönlichkeiten seiner Zeit. Sein Sohn Martin Fischer-Dieskau wurde ein erfolgreicher Dirigent.

Nach:
Kutsch, K. J. und Riemens, Leo. Großes Sängerlexikon. München: K.G. Saur, 1999



Stimmlage:
Bariton

Mitwirken in Bayreuth

Jahr Werk Funktion/Rolle
1961 Tannhäuser Wolfram von Eschenbach
1956 Die Meistersinger von Nürnberg Fritz Kothner, Bäcker
1956 Parsifal Amfortas
1955 Tannhäuser Wolfram von Eschenbach
1955 Parsifal Amfortas
1954 Tannhäuser Wolfram von Eschenbach
1954 Lohengrin Der Heerrufer des Königs



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